Chiloè

24. June 2012

Die letzte große Recherchereise zum Kinofilmprojekt "Expedition Blue" und der TV-Dokumentation "Wild Chiloè" führte mich Ende März für drei Wochen nach Südchile. Nach einer intensiven Vortragswoche mit den Walexperten der südlichen Ozeane und einem Wiedersehen mit John Calambokidis - dem Blauwalexperten für den Nordpazifik, fuhr ich von Puerto Varas, etwa 100km weiter südlich auf Entdeckungsreise nach Chiloè.

Es ist die zweitgrößte Insel Südamerikas und doch war es eine Reise in wunderschöne wilde Landschaften, wo alles langsamer und ursprünglicher abläuft. Ich traf außergewöhnliche Menschen mit ganz eigenen Lebensweisen und Ansichten zu der rauhen Pazifikinsel. Mehr als 200 Regentage pro Jahr, von denen auch ich einige erlebte, prägen die Natur und Menschen. Ich fand an Land, was ich suchte und schreibe jetzt das Expose zur Insel fertig und lege es dann in die Hände meiner Wunschproduzenten. Die Suche nach den Blauen Giganten rund um Chiloè hingegen, wurde stark durch eine stürmische, verregnete Wetterlage und den Temperaturveränderungen im Ozean beeinflußt. Laut wissenschaftlichen Veröffentlichungen lebt dort die größte Blauwalpopulation der Südhalbkugel! Eine Sichtung von Land und eine auf offener See an zwei Tagen. Ein typisches Bild für die diesjährige Forschungssaison, die nur von Januar bis April möglich ist. Offensichtlich ist nicht ausreichend Nahrung vorhanden und die Blauwale ziehen weiter nördlich an der Küste vorbei. Derartige Beobachtungen stimmen auch mich nachdenklich mit Blick auf die Dreharbeiten zum Blauwalfilm. Ich hatte gehofft, hier in den nahrungsreichen Gewässern des Golf von Corcovado Filmaufnahmen von Jungtieren und vor allem küstennah zu bekommen. Außerdem leben dort mehr als vierzig Meeressäugetierarten, und sind die urigen Landschaften Patogoniens eine traumhafte Filmkulisse für jeden Naturfilmer. Heftiger Regen und Wind waren bis zum vorletzten Tag meiner Inselrundreise meine Begleiter.

Doch am Morgen meiner Abreise bot sich mir eine bizarr und nahezu unberührte, üppige Seen-und Waldlandschaft südlich des Nationalparkes. Absolute Stille und Staunen, Augenblicke wie diese wünschte ich mir öfter. Doch so erlebte ich verschiedene Gesichter der Insel und bekam einen Einblick in das rauhe Leben am und mit dem Meer. Dankbar, voller Eindrücke, mit relevanten Kenntnissen für die Drehvorbereitungen und meinen sehr persönlichen Kontakten zu den Protagonisten flog ich zurück nach Berlin.