Grün drehen in Deutschland

9. March 2015

Step by Step! Nachgefragt: Der Umwelt zuliebe... Interview für Blickpunktfilm, Ausgabe 11-2015, vom 9.März -das Fachmagazin für die Filmbranche, www.blickpunktfilm.de

Berlin/Potsdam – Die grüne Brille beim Filmeproduzieren haben hierzulande noch die wenigsten auf. Korina Gutsche hat ein Ziel: Umweltschutz in der Filmbranche besser zu implementieren.

Beschreiben Sie Ihre Arbeit als Sustainable Production Manager.
Mir ist es wichtig möglichst frühzeitig im Kontakt mit dem Produzenten zu sein. Denn bereits
bei der Kosten- und Drehplanung und Locationsuche müssen relevante Co2-Vermeidungs-
und Reduktionsmaßnahmen beachtet und vor allem das Team einbezogen werden. Auf Basis eines Green-Codex der Produktionsfirma formuliere ich konkrete Empfehlungen für die einzelnen Head Departments, das Produktionsbüro, die Drehorte sowie für die Postproduktion. Mein Fokus dabei ist die Erfassung und Bilanzierung der Co2- Hauptemissionsquellen, wie die Energiever-sorung, das Abfallmanagement, die Transportlogistik, das Setdesin, Unterkunft oder das Catering sowie das Aufzeigen von Einsparmöglichkeiten.

Viele Unternehmen in Deutschland schreiben Umweltschutz ganz groß. Wie gestaltet sich das Thema in der Filmbranche?
Erstaunlicherweise hat das Thema in der deutschen Filmbranche bisher noch nicht die notwendige Aufmerksamkeit. Und das, trotz der bekannten Klimaschutzziele der Bundesregierung. Das gelingt nur, wenn sich alle daran aktiv beteiligen. Es gibt zahlreiche Statements der Filmbranche und auch einige wenige bestpracticeBeispiele, hier insbesondere im TV-Bereich. Insgesamt jedoch ist umweltverträgliches Drehen in Deutschland noch lange nicht im Bewusstsein der Filmbranche präsent. Noch sind es einzelne engagierte Filmemacher, denen das Thema wichtig ist und die es in ihrem Rahmen umsetzen.

Warum gestaltet es sich so schwierig?
Produzenten, Förderungen und Filminstitutionen haben zunächst Interesse, einen besonderen
und erfolgreichen Film zu machen. Mein Eindruck ist, dass sie über das Wie einer Filmproduktion bisher nicht nachgedacht haben. Einen Film umweltverträglich oder klimaneutral zu produzieren bedeutet freiwillig Verantwortung für den dadurch verursachten Eingriff in unsere Umwelt zu übernehmen.Außerdem bedarf es nachhaltiger Veränderungen von Verhaltensweisen eines jeden Einzelnen im Unternehmen, beim Dreh und einige vertraute Arbeitsabläufen und Gewohn-heiten loszulassen. Es gibt natürlich auch Bedenken hinsichtlich der Kosten. Manche empfinden die Beratung durch einen Sustainable Production Manager als Kontrolle und zu aufwendig. Dabei geht es mir um das Aufzeigen konkreter Lösungen.

Sind andere Ländern vorbildlicher?
Ich denke das Wissen, wie man umweltfreundlich Filme produziert ist auch hierzulande vorhanden. Die Produzenten müssen sich lediglich entscheiden, ihre Filme künftig unter Berücksichtigung von Umweltaspekten herzustellen und ihr Team entsprechend aufstellen. In den USA, England, den Niederlanden, Frankreich und Belgien hat grünes Drehen eine weitaus höhere Akzeptanz.

Was müsste unternommen werden, um eine Sensibilisierung zu erreichen?
Ich wünsche mir, dass wir als Film- und Fernsehschaffende uns selbstverpflichten, gesellschaftliche Verantwortung für die Auswirkungen unserer Branche auf die Umwelt zu
übernehmen. Einige regionale Filmförderungen bieten bereits kostenfrei umfassende
Serviceinformation. Die Vergabe eines Green Media Awards durch die Deutsche Filmakademie
oder die Vergabe von Fördergeldern im Kontext mit einer umweltbewussten Produktion sind machbare Anreizoptionen.

Blickpunkt:Film 11/15, DIESE WOCHE NACHGEFRAGT:

Korina Gutsche: hat mehr als 20 Jahre Berufserfahrung als Diplom-Ingenieurin für Umweltschutztechnik, Projektleiterin und Referentin für Kommunikation. Seit 2011 arbeitet sie
freiberuflich als Autorin, PR-Beraterin und Sustainable Production Manager.